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Der 30jährige Krieg (1618 – 1648) gilt neben dem 2. Weltkrieg als eine der großen, katastrophalen Ereignisse in der Geschichte Europas.
Zunächst entstanden als Religionskrieg zwischen den in der katholischen Liga vereinten Staaten einerseits und der protestantischen Union
andererseits, entwickelte er sich in seinem Verlauf zu einem Kampf um die Macht und Vormachtstellung einer Dynastie. Die kaiserlich-
katholisch-habsburgischen Mächte Österreich, Spanien und einige ihrer Deutschen Verbündeten standen nun dem protestantischen
Frankreich mit seinen Verbündeten Dänemark, Schweden und Niederlande gegenüber.
Die vier Kriegsphasen („Böhmisch-Pfälzischer Krieg“ 1618-1623, „Dänisch-
Niedersächsischer Krieg“ 1623 – 1629, sowie mit Eintritt einer weiteren
Kriegspartei „Schwedischer Krieg“ 1630 und schließlich ab 1636 bis 1648 der
„Französisch-Schwedische Krieg“) führten europaweit zu einem bis dahin nicht
gekannten Leiden und Sterben. Der „Westfälische Frieden“  beendete zwar
1648 die Grausamkeiten auf den Schlachtfeldern und an der Zivilbevölkerung.
Doch zahlreiche Dörfer waren verbrannt, Städte ausgeplündert und Landstriche
entvölkert.
Die während des 30jährigen Krieges in das Land einfallenden Soldaten, Söldner
und ihre Trosse glichen einer Heuschreckenplage: tausende vom Krieg verrohte
und geschundene Menschen waren auf der Suche nach Essen, Trinken und
einem geeigneten Schlaf- oder Lagerplatz. Was nicht freiwillig gegeben wurde,
nahm man gewaltsam. Vieh und Getreide wurde gestohlen, und
Brandschatzung war ein beliebtes Mittel, die Kriegskasse und den eigenen
Geldbeutel zu füllen. Wertgegenstände jeglicher Art wurden gewaltsam
entwendet, dazu zählten auch profanere Dinge wie beispielsweise Kleidung und
Bettdecken.
Zeitgenössische Berichte sprechen davon, dass Landstriche geradezu kahl
gefressen worden waren. Anschließend habe Hunger und Not geherrscht, es
sei sogar zum Verspeisen von Hunden und Katzen, sowie zu Kannibalismus gekommen, berichtet Pfarrer Plebanus aus Miehlen  im Jahr
1636 (siehe auch Video unten). Zudem hätten sich in die verwüsteten Dörfer viele wilde Tiere gezogen, die dort ihr Unwesen trieben. Doch
damit nicht genug: marodierende Truppen schleppten Krankheiten und Seuchen wie die Pest ein und sorgten damit für einen weiteren
Anstieg ziviler Opferzahlen. 
Ziegenhain, Treysa und brennende Dörfer
Auch die Schwalm und die sie umgebenden Dörfer hatten ihren Tribut zu zahlen:  Ende August 1631 fielen Kroaten, die als Söldner in
irregulären Einheiten auf Seiten der kaiserlich-habsburgischen Truppen marodierten, in der Ziegenhainer Vorstadt „Weichaus“ ein. Der
damalige Ziegenhainer Bürgermeister Adam Arcularius schreibt in einem Brief an seinen Schwager, dass Sonntag des nachts um 12 Uhr bei
dichtem Nebel 500 kaiserliche Musketiere und eine Kompanie „Crabaten“ (Kroaten) in den Ort gedrängt hätten, man habe viele Menschen
und Vieh niedergeschossen, Häuser und Wagen ausgeplündert, etwa 100 Pferde und (angeblich) mehrere tausend Stück Vieh weggetrieben
und 16 Scheunen sowie diverse Häuser niedergebrannt.
Bei den begleitenden Scharmützeln seien auch fast 100 Soldaten und Bauern niedergemacht worden, einigen kroatischen und kaiserlichen
Brandstiftern sei man jedoch habhaft geworden. Diese habe man in die lodernden Scheunen geworfen, wo sie verbrannten. Arcularius
berichtet weiter, von der aus der Vorstadt geflüchteten Bevölkerung seinen wohl viele im Wallgraben ertrunken. Auch in Gebersdorf, (Groß-)
Ropperhausen und Neukirchen habe es mächtig gebrannt. Der Ort Wegebach  (Karte) wurde in dieser Zeit vollständig dem Erdboden
gleichgemacht (vgl. Heinz Reuter „Ziegenhain Geschichte der Stadt 782 – 1973“, 2. erw. Auflage 1980, Seite 47ff).
Treysa hatte mehrfach unter den Lasten des 30jährigen Krieges zu leiden. Nachdem Johann
T'Serclaes Graf von Tilly , Feldherr der katholischen Liga (dem Bund katholischer Fürsten) 1623 in
Hessen einrückte, musste Treysa bis 1635 wiederholend die Lasten von Einquartierung der Soldaten
und Kontributionen, also der Erhebung von steuerähnlichen Zwangsabgaben erdulden. 1625 zog ein
ganzes Regiment in der Stadt ein, das die Bürger zu beherbergen und verpflegen hatten. Dass
bereits kleinere Truppenverbände  den Ort schon zuvor monatelang in den faktischen Ruin getrieben
hatten, war für die neuerlichen Besatzungstruppen völlig ohne Belang.
Doch es kam noch schlimmer: am 29. Oktober des Jahres 1640 – also wenige Tage vor der
bekannten Schlacht am Riebelsdorfer Berg (siehe unten) -   zog Reinhold von Rosen (Offizier der
protestantisch-weimarischen Truppen)  mit etwa 700 Reitern in Treysa ein, nachdem ihn die Festung
Ziegenhain das Quartier verweigert hatte.  
Noch in derselben Nacht (auf den 30. Oktober) überfielen kaiserliche Truppen Treysa. Von Rosen
konnte zwar diesen Angriff in der halbwegs befestigten Stadt abwehren, setzte sich jedoch tags
darauf nach Obergrenzebach ab, wo er französische Verstärkung erhielt. Diese Gelegenheit nutzten 
kroatische Einheiten aus den kaiserlichen Verbänden, um in Treysa einzufallen und in weiten Teilen
niederzubrennen. Das Rathaus, Teile des Hospitals und das Brau- und Weinhaus gingen in Flammen auf.
Mehr als die Hälfte der Gebäude wurde eingeäschert, etwa die Hälfte der Bevölkerung wurde getötet. Während im Jahr 1626 noch rund 2300
Menschen in Treysa lebten, sank die Anzahl bis 1644 auf etwa 800 Personen. Unter diesen Bedingungen verarmten die verbliebenen
Einwohner und fristeten eines Daseins zwischen wüstgefallenen Ruinen, die noch bis 1806 das Stadtbild geprägt haben sollen. Das Rathaus
der Stadt wurde wieder aufgebaut, nur die südliche Gebäudewand aus Sandstein ist aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg erhalten und hat
das Feuer überstanden (siehe Bild oben links).
(Abschnitt „Treysa“:   vgl. K. Wilhelm Stumpf [Verlag und Hrsg.] „Treysa Das Profil einer Stadt – Eine Stadt mit Profil“, Seite 43ff.,  
Schwalmstadt, Oktober 1982).
Zu den oben genannten und weiteren Ereignissen fasst Martin Zeiller 1655 in der „Topographia Hassiae“ zusammen: „An. 1640. im Novembr.
ist diese Statt Treisen / sampt den darumb gelegenen Dörffern / Nider-Grentzenbach / Stein / Loehrbach / Loßhausen / Rantzbach / Zell /
vnnd Salmershausen / von den Käyserischen angesteckt / vnd wenig Tag hernach von denselben gar in die Aschen gelegt“ (Im November
1640 wurde die Stadt Treysa samt der umliegenden Dörfer Niedergrenzebach, Steina, Leimbach, Loshausen, Ransbach, Zella und 
Salmshausen von den kaiserlichen Truppen angesteckt und kurz darauf in Asche gelegt). 
Hinweise auf das Geschehen findet sich auch in verschiedenen örtlichen Kirchenbüchern wieder. Das Taufregister des Kirchenbuchs Zella-
Loshausen berichtet von der Taufe des am 22. Oktober 1640 in Ransbach geborenen Johannis Schmitten. Gleich nach der Zeremonie sei
man vom Feind verjagt worden. Gegen Mittag des selben Tages wurde Treysa geplündert, der Oberförster Hagetell sei erschossen und
dessen Sohn Abraham gefangengenommen worden. Die Mutter des Johannis Schmitten habe mit vielen anderen nach Ziegenhain fliehen
müssen (Taufeintragung 1156, aus 1640, Kirchenbuch Zella-Loshausen).
Das Sterberegister des selben Kirchenbuches weist unter der Nr. 938 (jedoch vermutlich aus dem Jahr 1636) folgende Eintragung auf: „Der
Schönbörnerin s. Mutter zu Leimbach nach dem sie vom Feindt übell tracktiert, starb zu Ziegenhayn und wardt naher Aschenrodt geführt und
begraben, den 19 Julij.“
Hinsichtlich der Ereignisse des Novembers 1640 (Niederbrennen der Dörfer) berichtet das Kirchenbuch unter „Specificatio des erlittenen
Brandschadens“:
belangend die Kirchen undt Pfarrbauw zu Zella
Anno 1640 den 3. Novemb. haben die keyserliche Völcker die Dörfer umb die Vestung Ziegenhayn in Brand gesteckt, da dan unter andn
auch abgebrennt
1. Das Pfarrhaus zu Zella bei der Mutterkirche
2. ein besonders Studierheuslein darbey
3. eine Stallung. Diese Bauwe liegen noch in der Asche, steht nur ein bauwfällig Scheur auf der Hofstadt, undt hat sich der Pfarrer mit Weib
und Kindn 2 Jahr in einem alten wüsten Haus gleich als in einer Scheunen kümmerlich berg, endtlich ihm selbst bauwen und unter Dach
helffen müssen, welches nun mit grosser Schützung beschwert ist,
4. in den Kirchen haben Pferdt gestandt, und sein Stuell (Stühle) undt Benck (Bänke) drinnen verbrant, ietz zwar zum theil wied gemachtt,
mangelt aber mal an 2 busebuhnen (Bußbühnen bzw. -bänken) sonst kan das volck wens zu seinem kom […] nicht stehen
5. im Filial Loshausen ist damahls die Kirch auch abgebrannt 2 Glocken sein zerschmoltz, die Uhr ganz verdrecktt (...)“
(Zusammenfassung: Am 3. November haben kaiserliche Truppen die Dörfer um die Festung Ziegenhain angesteckt. Abgebrannt sei u.a.
auch das Pfarrhaus und ein Studierhaus in Zella, sowie ein Stall. Diese Gebäude lägen in Asche, der Pfarrer habe sich mit seiner Frau und
einem zweijährigen Kind in einem Scheunen ähnlichen, verfallenen Haus einquartieren müssen. In der Kirche seien zuvor Pferde einquartiert
gewesen, Stühle und Bänke habe man verbrannt, zudem seien zwei Bußbühnen [-bänke] verschwunden. In Loshausen sei die Kirche
ebenfalls abgebrannt, 2 Glocken seien zerschmolzen, die Uhr sei ganz verdreckt)
Blick in die Nachbarschaft: das Kirchspiel Wernswig
Der 30jährige Krieg hat selbstverständlich nicht nur in der Schwalm seine dramatischen Spuren hinterlassen. In einer Vielzahl von
Kirchenbüchern anderer Orte finden sich dazu entsprechende Einträge. Gut dokumentiert ist dies beispielsweise im Buch “Geschichte des
Kirchspiels Wernswig“ von Abel Becker (Kommissionsverlag F. Lometsch, Kassel 1936). Dort wird berichtet, dass 1623 ein Kirchenfenster
der dortigen Kirche erneuert werden musste, das von holsteinischen Reitern eingeschlagen wurde. Gleiches passierte mit weiteren
Kirchenfenstern 1625, 1626 (lüneburgisches Kriegsvolk) und 1631 (kaiserliche Truppen). Dabei lag die Ursache der Zerstörung nicht in der
reinen Lust am Vandalismus. Von Interesse waren vielmehr die Bleieinfassungen des Glases, die als Rohstoffgewinnung zur Herstellung von
Musketenkugeln genutzt wurden.
Gerne bediente man sich jedoch auch an den wertvollen Gegenständen der Kirchen: 1626 stahlen marodierende Soldaten einen innen
vergoldeten Abendmahlskelch und die Abendmahlstücher aus Wernswig (Homberg/Efze). Aus Hebel (Wabern) wird berichtet, man habe
1625 die Kirche „um der Pest willen“ ausgeräuchert. Ob diese Methode wirksam war, sei dahingestellt – eingeschleppt wurde sie jedoch
durch umherziehendes Kriegsvolk.
Auch 10 Jahre später, von September 1635 bis April 1636, fielen dieser Seuche in den heute ebenfalls zu Homberg (Efze) gehörenden
Ortsteilen Waßmuthshausen, Rodemann und Allmuthshausen insgesamt 143 Menschen zum Opfer. Dabei dürfte diese Aufzählung für viele
andere Orte der Umgebung beispielhaft sein (Quelle: Becker, Seite 40 ff.).
Die Jahre 1635 und 1636 scheinen zu den dunkelsten Kapiteln des 30jährigen Krieges in Hessen zu zählen. Im oben genannten Buch heißt
es dazu: “Viele Städte und Dörfer in Hessen wurden in diesen Jahren verbrannt, und ein Drittel seiner Bewohner fiel dem Schwert der
Feinde, dem Hunger und der Pest zum Opfer.“ (Zitat: Becker, S. 44).
Angesichts dessen, dass die langanhaltenden Wellen der Gewalt mit Mord, Vergewaltigung, Plündereien, Brandstiftungen, Seuchen, mit dem
Diebstahl sämtlichen Nutzviehs, der Entwendung jeglicher Nahrungsmittel, der systematischen Abfuhr von Heu, Stroh und Feldfrüchten und
selbst der Verschleppung von Menschen einherging, erscheint es bemerkenswert, dass Teile der Bevölkerung diese Zeiten halbwegs lebend
überstanden haben. Im Resultat jedoch fielen Orte wüst und wurden ganze Landstriche entvölkert.
Soldaten im 30jährigen Krieg: Mörder, Plünderer - und Kinder ihrer Zeit
Rückblickend scheinen die Söldner und Soldaten des 30jährigen Krieges vorrangig eines
gewesen zu sein: brutale Mörder und Diebe. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Archäologische Grabungsbefunde - beispielsweise der Schlacht von Wittstock - zeichnen
ein Bild, die diesem Personenkreis auch ein anderes Gesicht verleiht. Das im Frühjahr 2007
zufällig entdeckte Wittstocker Massengrab deutet darauf hin, dass einige Teilnehmer der
Schlacht vom 4. Oktober 1636 in ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen mussten, die
bereits im Kindesalter zu erheblichen Mangelerscheinungen in Zähnen und Knochen
führten. Immerhin: in 30 Jahren Krieg wuchsen beinahe zwei Generationen zum
wehrfähigen Alter heran, und dies zum Teil in bitterster Armut.
Und während sich zu Beginn des 30jährigen Krieges noch viele Männer den Heeren aus
Glaubensgründen anschlossen, trieb die Menschen schon bald vielfach die blanke Not in die
Reihen des Militärs. Dies spiegelt sich auch in den o.g. Grabungsbefunden wider. Zwar
wurde an vielen Orten freundlich um neue Rekruten geworben, doch es wurde auch
gedrängt, genötigt, erpresst und unter Zwang verpflichtet. Dennoch: die Aussicht auf das
Beutemachen in eroberten Städten und bei gewonnenen Schlachten übte auf jene, die
nichts hatten, eine deutliche Verlockung aus. Und einmal unterzeichnet, gab es kein zurück.
Wer sich zu entziehen versuchte, musste mit dem Tod rechnen.
Der eigentliche Militärdienst stellte sich schon bald als nicht enden wollender Alptraum dar:
Uniformen gab es nicht, jeder trug, was er eben am Leibe hatte – und bald wie Lumpen
herunter hing. Das Leben im Feld und das Hausen in feucht-kalten Zelten barg hohe
gesundheitliche Risiken. Erkrankungen waren die ständigen Begleiter der Menschen. Die
Mangelversorgung schwächte des Immunsystem, Entzündungen der  Nasennebenhöhlen
und Erkältungskrankheiten waren Dauerzustand.
Hinzu kam eine - nach heutigen Maßstäben - rudimentäre Körperpflege, besonders des
Kauapparates, was zu desaströsen, Karies bedingten und äußerst schmerzhaften
Zahnschäden führte. Zahnverluste, eitrige Kieferabszesse und ein daraus folgender
progressiver Kieferknochenabbau konnten lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen, führten aber zumindest zu übelsten Beschwerden.
Mitreisende waren stets auch Parasiten: Läuse, Flöhe, Zecken und Krätzmilben setzten dem Körper sehr zu. Seuchen wie Tuberkulose und
die Pest grassierten in den Lagern, ebenso wie durch die Prostitution übertragene Syphilis. Hohe körperliche Belastungen, schlecht
verheilende, entzündliche Verwundungen und kriegsbedingte Verkrüppelungen taten ihr übriges. Schätzungen gehen davon aus, dass eine
Armee rund 30 Prozent ihres Bestandes jährlich durch Krankheiten verlor.
 
Alleine die hier genannten Faktoren ließen die damalige Aussicht auf ein langes Leben erheblich unrealistisch erscheinen. Wer diesen
gesundheitlichen Herausforderungen widerstehen konnte, sah sich mit hochgradig gefährlichen und brutalen Kampfhandlungen konfrontiert.
In den Gefechten wurde geschossen, gespießt, gestochen, gehackt, gesäbelt, geschlagen, niedergeritten und kanoniert. Die Versorgung von
Verletzungen war besonders in Hinsicht auf Hygiene nicht im Ansatz mit heutigen Standards zu vergleichen, weshalb eine
Wundbrandinfektion häufig zum Tod führte.
 
Riebelsdorf: Schlachtfeld und Totenacker?
Über die Schlacht am Riebelsdorfer Berg vom 15. November 1640 ist bereits viel geschrieben worden, und diverse Autoren haben sich damit
befasst. So unterschiedlich wie die Verfasser scheint auch ihre jeweilige Sicht auf das Geschehen zu sein. Zu Grunde liegt dem Ereignis die
direkte militärische Konfrontation zwischen den sachsen-weimarischen Truppen unter Oberst (Obrist) Reinhold von Rosen, seiner
Verstärkung bestehend aus dem Ziegenhainer Bürger-Korps und französischen Einheiten einerseits sowie den kaiserlich-katholischen
Truppen unter General Hans Rudolf von Breda andererseits.
Zweifelsfrei handelt es sich hier um das bedeutendste Ereignis des 30jährigen Krieges in unserer Heimat. Georg Landau schildert den
Verlauf in seiner „Beschreibung des Kurfürstentums Hessen“ (Verlag T. Fischer, Kassel 1842) in einer Weise, die eine gewisse
Heldenromantik nicht verhehlen kann. Da ist von einer „ mutigen Schar“ die Rede, es wurde „beidseitig erbittert gekämpft“ und schließlich
habe der „kühne Fleischer Valentin Muhly“ aus Ziegenhain seine Waffe auf den feindlichen Ober-General von Breda angelegt und ihn so
günstig getroffen, dass dieser „entseelt vom Rosse sank“. An eben diesen Vorfall erinnern auch die Steinsäule und ein Obelisk an der
Bundestraße 454, die in einer Entfernung von etwa 300 Metern die Positionen des Schützen Muhly und des getroffenen Generals von Breda
zum Zeitpunkt der Schussabgabe markieren soll (Bilder des Denkmals siehe unten).  
Dabei ist davon auszugehen, dass die Aufstellungsorte der beiden Steinmale hinsichtlich ihres Abstandes weitgehende Phantasieprodukte
sind, da es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich war, mit den im 30jährigen Krieg zur Verfügung stehenden
Handwaffen ein Ziel auf solche Entfernung absichtlich zu treffen. Wie dem auch sei: Landau gibt an, bei dem Gefecht seien über 550
Soldaten gefallen, weitere 600 seien in Gefangenschaft geraten. Auf welchen Quellen seine Aussagen fußen, gibt er nicht preis.
Detailliertere Angaben zum Gesamtgeschehen macht das aus dem Jahr 1692 stammende „Theatrum Europaeum“ (Hrsg.: „Seel. Erben“ des
Matthäi Merian, Druck Johann Görlin, Frankfurt/Main). Aus diesem Werk stammt auch das weit verbreitete Bild der Schlachtdarstellung vom
Riebelsdorfer Berg, das heute allerdings grundsätzlich ohne die entsprechenden Erklärungen zu den Fußnoten veröffentlich wird. Um diesen
Zustand Abhilfe zu schaffen, sind sie hier entsprechend aufgeführt (siehe unten). Auch im Theatrum Europaum (Viertel Teil, Seite 200 ff.) ist
von 550 Gefallenen und 600 Gefangenen die Rede, ergänzend wird angeführt, dass auf Seiten von Rosens Sachsen-Weimarern lediglich 50
Tote und Verwundete zu zählen seien. Andere zeitgenössische Quellen sprechen dagegen von „nur“ 300 Toten.
Interessant ist die Frage nach dem Verbleib der Gefallenen. Angesichts dessen, dass auch in Riebelsdorf entsprechende Leichenfledderei
vorgenommen und auch übrige Metallteile jedweder Art von den Bauern der Umgebung fortgeschafft wurden, blieb das Problem der
Entsorgung hunderter toter Körper. Dass man hierzu weder große Entfernungen zurücklegte, noch tiefgehende Grabungsarbeiten
durchführte, liegt auf der Hand. Der Heimatforscher Georg Blumenauer (Riebelsdorf) vermutet, dass Gräben, natürliche Mulden und Kuhlen
im Gelände, in unmittelbarer Nähe zum Schlachtfeld genutzt worden sein könnten.
Der Fund eines solchen Massengrabes wäre vermutlich eine ebensolche archäologische Sensation, wie dies in Wittstock der Fall ist - aber
auch dort wurde das Grab bei Bauarbeiten nur durch Zufall entdeckt. Doch an Stelle der Hessischen Landesdenkmalpflege zieht
zwischenzeitlich auch Riebelsdorf illegale Sondengänger an. Sie unterliegen dabei der irrigen Annahme, ihr Tun würde nicht auffallen -
spricht man mit Dorfbewohnen und nimmt zur Kenntnis, wie sie dieses Handeln beurteilen, wird die Zukunft die Schatzjäger eines besseren
belehren. Was bleibt ist die Hoffnung, dass eines Tages erneut der Zufall zu Hilfe kommt und die Perspektive auf wissenschaftliche
Untersuchungen eröffnet. Letztlich wäre dies ein unschätzbarer Gewinn für die deutsche und insbesondere für unsere Heimatgeschichte.
Das Gefecht am Riebelsdorfer Berg
Angesichts dessen, dass der Ablauf der Kampfhandlungen bereits anderweitig ausführlich dokumentiert ist (siehe auch Video oben), soll an
dieser Stelle der Original-Bericht aus der Theatrum Europaeum zur Verfügung gestellt werden:
“Als Obr. Rheinhold von Rosen seinen Anschlag an den Bentzenauischen im Homburg verrichtet - und oberwehntes Volck zusammen
gezogen, auch Friedberg versehen hatte / marschirte er zurück nach Ziegenhain, und legte sich in das nechste Städtlein Treysen. Die
Kaiserischen gedachten den Homburgischen Schaden wieder zu holen / darum die zween Generalwachtmeister, als Gilles de Hasi, und Herr
Mercy, mit dem Obristen von Neuneck, und vier Croaten Obristen auff ihn zu giengen unter denen 1000. Curassier und noch darzu 200.
Tragoner waren. Sie wurden aber so hart empfangen / daß 2. Obriste Wachtmeister darüber und andere Officirer todt blieben, ein Rittmeister
und viel Reuter gefangen wurden / deren Wort Leopoldus, und das Feldgeschrey kein Quartier gewesen.
Der von Rosen hat darüber dieses Städtlein verlassen - und sich nach der Vestung Ziegenhain begeben, darüber die Kaiserischen das
Städlein eingenommen/ und selbiges sammt umliegenden Dörffern angesteckt, für dißmal aber nichts mehrers verrichtet haben. Dem
Obristen von Rosen wurden von seinem Major Johann von Rarschin vom alten Regiment 6 Compagnien zugebracht, darum konnte er
abermahlen nicht seyen sondern nahm seinen Vettern Wolmaren den Tollen zu sich,
und überfiele noch selbige Nacht von Ziegenhain auß deß Croatischen Obristens,
Petern Logy Regiment und Quartier zu Allendorff, die noch andere 6. Compagnien
Rubländischer Tragoner bei sich hatten, darüber der Obriste durch einen Pistolen-
Schuß selbsten verwundet worden / der sich deßwegen auff den Kirchhoff laviret aber
sein Obristen Lieutenant todt geblieben / an angestecktem Quartier neun Standarten
verbronnen / ein Standarte und ein Capitäin mit Beuten und Pferden davon geführet /
und sie alle so hefftig aufgeschlagen worden / daß wann der Obriste Feduardi nicht
nahe im Anzug gewesen / so wäre diese ganze Regiment   ganz und gar zu scheitern
gegangen.
Hierauff wurden die Kais. um so viel desto begieriger ihren erlittenen Schaden um
soviel desto eifriger zu rächen, und wurden deswegen auff den von Rosen zugehen
commandiret zuforderst der General Feld-Marschall Lieutenant Baron de Bredau , und
neben demselben der General-Wachtmeister Gilde Hai, welche in dreytausend
Pferden von 24. Esquadronen deren zum besten berittenen Reuter / ausserhalb
Fußvolcks bey sich hatten - deren der Herr Obriste von Rosen bey der Vestung
Ziegenhain erwartete.
Als nun wohlgedachter Baron de Bredau den 13. Novembris styl. ver. bey Ziegenhain anlangte / ordnete er den Obristen Druckmüller zur
Avantgarde, der mit 5. Esquadronen auff den von Rosen zwar mit großer Furiangienge / desselben aber die Rosischen nicht viel achteten /
sondern liessen ihn wohl an kommen.
Der Obriste von Rosen commandirte wider solche 3. Compagnien seines alten Regiments, die trieben diese Druckmüllerische zurück / soweit
sie fast herkommen waren, und verfolgten sie mit stätigem Scharmütziren, daß ihrer viel darüber blieben und gefangen wurden. Es wurde
auch hierüber der General Wachtmeister de Hai in einen Schenckel geschossen.
Der von Bredau hatte selbigen Tag zum Feldgeschrey außgegeben / Gott mit uns/ und das Wort war / der Teuffel mit dem Rosen. Es zoge
sich hierüber der von Bredau zurück auff 2. Stunden lang biß nach Neukirchen - und setzte sich mit feiner Reuterey und Fußvolck dem von
Rosen entgegen : er hatte auch um mehrer Hülffe von 2000, zu Fuß, und 1000 Pferd zurück geschickt, deren ererwartete / in Hoffnung, den
von Rosen gewiß zu ruinieren.
Es war auch General, Wachtmeister Mercy mit 1500. Pferden, und so viel Fußvolck im marschiren / und schon beschlossen den von Rosen
auff beiden Seiten des Wassers Schwalme anzugreiffen. Was nun an jüngst angesteckten Dörffern noch übrig war das liesse Bredau noch
gar in die Aschen legen, deme von Rosen das Fourage zu benehmen. Es wurde dem von Rosen der Obriste Müller / und General Adjutant
de Charlouna, biß 750. Pferd starck ebenso wohl zu Hülff geschickt, welche den 14. Novembris um 2 Uhr Nachmittag ankommen.
Ob nun wohl der von Rosen sich noch nicht Bastant genug befande der Käiserl. Anzahl gleich zu seyn, hatte er doch resolviret / auff den von
Bredau zu zugehen / und nicht zu erwarten / biß er ihn besuche :   derohalben er auff seines Feindes Vorwacht von ungefähr dreyhundert
starck auf eine viertheil Stund lang gegen Abend avancierte / der noch ein viertheil Stund lage.
Er hielte daselbsten mit den Seinigen in einnem Wald biß an den Morgen / und giengen auff diese Vorwacht den 15. vorbesagten Monats
Novembris, mit anbrechendem Tag in vollem Gallop, welches eben der Tag Leopoldi war. Als Bredau solches vernahme / praesentirt er sich
mit 24, Squadronen ungesaumt zu Feld und liesse feinen lincken Flügel von 8 Squadronen hindereinander stehend auff des von Rosen altes
Regiment treffen / feinen rechten Flügel aber diesem Regiment und dem rechten Rosischen Flügel die Fronte bieten:
der Obriste Müller aber gienge diesem Flügel in die Flancque / und ob es wol Anfangs sehr hart hielte, und das Glück sich wanckelmüthig
erzeigete, so wurde doch dem von Rosen / und den Seinigen allen das Glück gegeben, daß sie vermittels tapfferer Resolutuon und
mannlicher Anführung den von Bredau und die Seinigen in die Flucht schlugen darüber Herr General-Lieutnant von Bredau selbsten
geblieben:
sie seynd auch in der Flucht an einen Paß gerathen / allda ihrer viel sitzen geblieben / und gefangen wurden/ von dannen auß sie weiters biß
auff ein paar Stunden lang - und zwar biß an die Gegenwart Bredauischen Succurs, verfolget worden. Und ist diesen Tag des von Bredau
gegebenes Wort und Feldgeschrey gewesen Sancta Maria, kein Quartier: deß von Rosen Wort aber / Louys, und das Feldgeschrey / Gott mit
uns.
Auf der Kaiserlichen Seiten seynd todt geblieben: General Feld-Marschall Lieutenant Baron de Bredau, dessen Cörper in Ziegenhain
gebracht,
2. Obr, Lieutenannte. 2. Wachtmeister. 3. Rittmeister, so man gewiß weiß / sammt 550 andern Officiren und Gemeinen. Und wurde für gewiß
berichtet / das an Obr. Lieutenannten / Obr. Wachtmeistern und Rittmeistern / außer Lieutenants und Cornets in 24 verlohren worden.   Unter
600 Gefangenen seynd nachfolgende Officirer vorhanden gewesen: Obristen Lieutenant / Johann Hildebrand Rumpff / vom Obr. Spiegel.
Obristen Wachtmeister / Niclaus Belli / vom alt isolanischen Regiment. Rittmeister Mons. Comte de Boucarme, vom Graff Broischen
Regiment. Rittmeister Spitzenberg / vom Obr. Spiegels Regiment Rittmeister Balli von Egre / vom Jean de Werthischen Regiment. Rittmeister
Gerestein / vom Lobensteinischen Regiment. Rittmeister Fabri / von Obristen Gelings Regiment.
Rittmeister Charle / von Obristen Gonzaga Regiment. Rittmeister Friederich von Myl / vom Feduarischen Regiment. Rittmeister Baron
George de Breda / von Gen. Breda Regiment. Rittmeister Wilhelm Lemb / von General Wachtmeisters Mercy Regiment. Capitän Nicola
Belling / von Rubländischen Tragonern. Lieutenant Peter Bock / vom Lamboischen Regiment. Lieutenant Francisco Croa   / vom jungen
Buchheimischen Regiment.
Lieutenant Jobst Böheim / von Spiegels Regiment. Lieutenant Wilhelm von Relm / von Graff Gallen Regiment. Cornet Reinhard Leonhard /
vom Truckmüllerischen Regiment. Cornet Wilhelm Friederich Bressel / von Obr. Philippi Regiment. Cornet Forcas Jan / vom Feduarischen
Regiment. Von Rosischen seynd 50. todtgeblieben und gequetscht, darunter Mont. Johann von Rarschin / Major vom Alt-Rosischen
Regiment. Rittmeister Schultheiß, vom Marggräfl. Durlachischen Regiment.”
 
Die Schlachtdarstellung aus dem Theatrum Europae (Merian 1692/Repro Sylke Grede).  Zum Vergrössern anklicken
Zeichenerklärung:   
“Anweisung der Buchstaben im Kupffer.
A. Das Holz der Strudt genannt - da Obr. Rosen ein vierthel Stund von des von Breda Vorwacht die Nacht campiret,
B. Vorwacht des von Breda.
C. Rosisch Battaglia.
D. Rosisch rechter Flügel.
E. Alt-Rosisch Regiment von 4. Esquadronen, welche auff die Bredauischen getroffen.
F. Rosisch lincker Flügel von Commandirten.
G. Rosisch neu Regiment. Reserva.
H. Wolmar von Rosen Regiment Tragoner/ Reserva. 1. 2. Stück/170 Mann zu Fuß so nicht gebraucht, sondern im Holz
zurückstehenblieben.
K. Obrister Müller gehet dem Bredauischen rechten Flügel in die Flancque / weilen sie die Fronte auff den Rosischen rechten Flügel
genommen.
L. Rosische Tragoner so getroffen und die Bredauischen in die Flucht getrieben.
M. Deß von Breda rechter Flügel so die Kaiserlichen gehabt.
N. Deß von Breda lincker Flügel, welche hindereinander gestanden und mit 8. Esquadronen auf die Rosischen getroffen.”
(Anmerkung: Buchstaben “I.” und “J.” nicht vorhanden)
Fundstücke aus der Schlacht von Riebelsdorf
Bei den hier abgebildeten originalen Fundstücken handelt es sich um Exponate des Museums für Vor- und Frühgeschichte,
Mühlgasse 4, 34626 Neukirchen-Riebelsdorf
 
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SCHWALMGESCHICHTEN
Das ehemalige Schlachtfeld heute. Auf dem waldgesäumten Hügel (Bildmitte, oberhalb der Scheune) erschoss der Ziegenhainer Bürgerschütze
Velten (Valentin) Muhly angeblich General Hans Rudolf von Breda. Zum Vergrößern anklicken
Geschosse im Durchmesser (v.l.n.r.) 5cm (vermutlich Falkonett), 8cm und 10cm
Rest einer sog. Pike (siehe unten), Reiterspore und vermutlicher Rest eines Hufeisens
Links: eine aus dem 30jährigen Krieg in Riebelsdorf erhaltene Pike (Infanteriewaffe, die auf eine langen Stange montiert
war, um durch Stechen bzw. Spießen herannahende Reiter abzuwehren. Siehe auch: “Die Soldaten und ihre Ausrüstung”).
Mitte und rechts: Denkmal “Breda und Muhly”, B254 bei Riebelsdorf
Über die Erfahrungen des Pfarrers Plebanus im 30jährigen
Krieg und die Schlacht bei Riebelsdorf (ab 4:37 min.) berichtet
dieser Film von Peter Milger
“Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret. Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.”
Andreas Gryphius “Tränen des Vaterlandes” (1636)
Die Schwalm und der 30jährige Krieg
Danksagung
Für die vielen Informationen zur Geschichte von Riebelsdorf möchte ich Herrn Georg Blumenauer (Museum für Vor- und Frühgeschichte,
Mühlgasse 4, 34626 Neukirchen-Riebelsdorf) herzlich danken. Gleiches gilt für Herrn Karlheinz Schmidt (Frielendorf), der die Abschriften o.g.
Kirchenbücher zur  Verfügung gestellt hat sowie für Frau Sylke Grede für die Übersendung der Schlacht-Repro.
 
Weitergehende Informationen zu den Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen von Wittstock finden sich im Buch “1636 IHRE
LETZTE SCHLACHT Leben im Dreißigjährigen Krieg, Hrsg. Sabine Eickhoff und Franz Schopper, Archäologisches Landesmuseum
Brandenburg, Theiss Verlag
Stand dieser Seite: 29.1.2017
Bilder oben: Darstellung der Schlacht vom 15. November 1640 in Riebelsdorf anlässlich der 750-Jahr-Feier vom
3. bis 5.Juni 2016. Weitere Bilder hier