Ab dem 4. Dezember 1944 befindet sich die 1. Staffel des Schlachtgeschwaders 4 (1./SG4) in Ziegenhain, die 2. Staffel liegt in
Kirtorf. Insgesamt herrschen permanente Einsatzprobleme vor: während am 31. Dezember im ganzen Reich angebliche 152
Fockewulf 190 F-8s mit 129 Piloten “einsatzfähig” gemeldet werden, stehen von den  über verschiedene Einsatzflughäfen
verteilten Maschinen offensichtlich nur 60 Stück zur Verfügung. Bei genauerer Prüfung zum 1. Januar 1945 blieben dann gerade
noch 55 übrig - Tendenz: täglich abnehmend.
                 Videos: Focke Wulf 190                                Messerschmidt BF109                                    Junkers Ju87 “StuKa”
Doch nicht nur Deutsche Kampfflugzeuge logieren auf dem Einsatzflugplatz Ziegenhain. Als der Platz im August 1944 vom
Jagdgeschwader 4 zu Ausbildungs- und Übungseinsätzen genutzt wird, kommt eine amerikanische P-51 Mustang, eine P-47
Thunderbolt und eine britische Spitfire zum Einsatz. Junge und unerfahrene Piloten haben jetzt die Gelegenheit, sich im
Luftkampf mit den erbeuteten Feindmaschinen zu erproben.
Neben einsatzbedingten Verlusten fordern auch Unfälle ihren Tribut. Tückisch wirkt sich die Besonderheit der Startpiste des
Einsatzflughafens Ziegenhain aus: als im August 1944 ca. 60 Messerschmidt BF109 zum Kampfeinsatz in die Normandie
starten wollen, verunglücken zwei Piloten tödlich. Ursache: die Startbahn weist etwa im letzten Drittel eine Erhebung auf und
fällt dann wieder ab. Startende Piloten werden an dieser Stelle verleitet, das Flugzeug viel zu früh zum Abheben zu bringen,
doch die Geschwindigkeit ist für einen sicheren Flug noch deutlich zu niedrig.
Wegen mangelhaftem Auftriebs und den Auswirkungen des Propeller-Drehmoments rollen die Maschinen in geringer Höhe von
etwa 5 Metern um die eigene Längsachse in den Rückenflug und schlagen dann mit etwa 150 km/h auf. Den beiden Piloten
(Unteroffizier Manfred Ehrig [19. August 1944] und Kommandeur Major Walter Hoecker [25. August 1944]) wird der Kopf
abgerissen, ein dritter Pilot (Unteroffizier Heinz Beer [18. August 1944]) stirbt beim Überschlag seiner Maschine. Weitere
Flugzeugführer verunglücken, kommen jedoch glimpflicher davon (Quelle: Konrad Rudolph “Flieger über Fulda, Schwalm und
Eder” Seite 110 f, Homberg 1992 und Eric Mombeek “Sturmjäger, zur Geschichte des JG 4”, Seite 177).
Monate später, am Abend des 17. März 1945 treffen die Staffeln der Nachtschlachtgruppe 2 mit ihren Junkers Ju 87 “Stuka” in
Ziegenhain und Kirtorf ein. Durch einen Angriff auf einem anderen Flugplatz am 14. März war die Einheit bereits stark dezimiert
worden. Nur noch 22 Maschinen sind vorhanden, knapp die Hälfte ist einsatzbereit (Quelle: Oliver Greifendorf „Die
Während die Reichsluftwaffe ihren Zusammenbruch in den letzten Kriegsmonaten also nicht mehr aufhalten kann, sieht die
Situation der Allierten völlig anders aus: die 8. US Luftflotte (8th US AIR FORCE “Mighty Wing”) verfügt im Vergleich über
massenhaft Flugzeuge, Bomben und Munition. Sie fliegt 1945 ihre zahlreichen Angriffe auf Deutschland tagsüber und nachts, da
die Gegenwehr in vielen Teilen Deutschlands beinahe vollständig zusammengebrochen ist. Auch wenn jetzt noch einzelne
alliierte Flugzeuge abgeschossen werden: mit ihren B-17 “Flying Fortress” und B-24 Langstreckenbombern erreicht die alliierte
Luftstreitmacht jeden Winkel des Reichs.
„Anzeichen einer Deutschen Offensive“
Aus einem Memorandum für die Büros der kombinierten britischen und amerikanischen Stäbe in Washington D.C. vom 13.
Januar 1945 (intern veröffentlicht am 28. Dezember 1944) geht hervor, dass die 1. Staffel des Schlachtgeschwaders 4 am 4.
Dezember 1944 von Einsätzen an der russischen Front zurückkehrt. Auch die 2. Staffel wird nach einer Übungsphase mit neuen
Panzerabwehrwaffen an diesem Tag in die Einheit  zurückverlegt. Ab jetzt liegen die 1., 2., und 3. Staffel des
Schlachtgeschwaders 4 verteilt über Ziegenhain, Kirtorf und Kirlach (Rhein).
Zusammen mit vielen anderen Indizien wertet das Memorandum durch Brigadegeneral Carter W. Clarke den Umstand der
Zusammenlegung des Schlachtgeschwaders 4 als “verräterischsten aller Hinweise” auf eine bevorstehende Deutsche Offensive
größeren Ausmaßes. Zitat: „This ist the most revealing of all“. Darauf deutet auch hin, dass sich das Schlachtgeschwader 4
kurze Zeit später im Raum Köln konzentriert, nur die 3. Staffel operiert weiter südlich. Clarke soll Recht behalten: am 16.
Dezember 1944 beginnt die Ardennenoffensive, kurz darauf am 31. Dezember 1944 kommt es mit dem Unternehmen
„Nordwind“ zur letzten Deutschen Offensive an der Westfront (Quelle: Memorandum for Major-General Clayton Bissell through
Brigadier-General Carter W. Clarke”, British Joint Staff Mission, Offices Of The Combined Chiefs Of Staff, Washington, 13
January 1945).
Die Flugplätze Ziegenhain und Kirtorf spielen also für die alliierten Streitkräfte eine ernstzunehmende und durchaus bedrohliche
Rolle. Die Bewegungen der dort befindlichen Luftkampfeinheiten werden durch die britisch-amerikanische Aufklärung genau
beobachtet und ausgewertet. Auch aufgrund ihrer geographischen Lage erlauben es die Einsatzflughafen, strategische Ziele an
der sog. Westfront zu erreichen und zu bekämpfen.
Und auch mit dem späteren Vorrücken der Alliierten bleiben Ziegenhain und Kirtorf eine erhebliche Gefahr. Als am 23. März
1945 um 21 Uhr die Operation „Plunder“ und am 24. März die Operationen „Varsity“ und „Flashpoint“ (Überquerung der Alliierten
des Rheins zwischen Emmerich, Wesel und Walsum) beginnen, wird es zwingend erforderlich, verbliebene Kampfverbände der
Reichsluftwaffe und ihre Infrastruktur im „Hinterland“ zu neutralisieren. Der Einsatzbefehl zur Bombardierung des
Einsatzflugplatzes Ziegenhain wird erteilt.
Bomben auf den Einsatzflugplatz Ziegenhain - Chronologie des Luftangriffs
Die Staffelgruppen der “13th Combat Bombardment Wing” (8th US Air Force) liegen im März 1945 auf folgenden britischen
Einsatzflughäfen:
95th Bombardment Group - Horham (Großbritannien)
390th Bombardment Group - Parham (Großbritannien)
An diesem 24. März 1945 fliegt die 100th Bombardment Group zwei Einsätze. Bereits um 6 Uhr starten 34 Maschinen sowie 4
PFF-Bomber (Flugzeuge mit Radar gestützem Zielverfahren) und voller Begleitjäger-Eskorte zum Angriff auf den Flugplatz
Havelte/Niederlande. Die Maschinen kehren nach dem Erreichen des Einsatzziels um 10:30 Uhr ohne Verluste zurück.
Doch das Tagewerk ist damit - noch - nicht erfüllt: obwohl die Besatzungen sehr erschöpft sind und die Ruhezeit nur kurz ist,
wird im zweiten Mission-Briefing des Tages der neue Einsatzbefehl erteilt: “Airfield Ziegenhain”. Dabei handelt es sich um ein
Primärziel, dem alle weiteren geplanten oder zufälligen Ziele  unterzuordnen sind (Ziel mit erst- und zweitrangiger Prorität ist
Ziegenhain, als drittrangiges Ziel ist die Bombardierung des Güterbahnhofs Siegen befohlen).
Insgesamt 144 B-17 “Flying Fortress” (8th USAF / 3rd Air Division) verlassen am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr die britischen
Flugplätze. Gleichzeitig starten 182 B-24 Bomber (6th US AIR FORCE / 2nd Air Division) mit dem Einsatzziel Kirtorf und
Störmede nahe Lippstadt. Beteiligt am Einsatz Ziegenhain sind die 100th BG, sowie die 95th BG und 390th BG. Drei Maschinen
müssen den Einsatz nach kurzer Zeit wegen Fehlern in den Triebwerken und der Sauerstoffversorgung abbrechen und
umkehren.
Die Staffeln der 95th, 100th und 390th Bombardment Group verfügen zum Zeitpunkt des Abflugs über eine stattliche
Bombenlast. Der Angriffsbefehl sieht folgende Ausstattung vor:
100th BG: jedes Flugzeug 14 x 500 Pfund Bodenzielbomben (Gesamt: 38 Flugzeuge)
95th BG: jedes Flugzeug 14 x 500 Pfund Bodenzielbomben bzw. 38 x 150 Bodenzielbomben (Gesamt: 38 Flugzeuge)
390th BG: jedes Flugzeug 24 x 250 Pfund Bodenzielbomben bzw. 38 x 150 Bodenzielbomben (Gesamt: 38 Flugzeuge)
Die Bomber sammeln sich nach dem leicht zeitversetzten Start in der Luft. Ihren ersten Navigationspunkt (CP1) erreichen sie
um 15:03 Uhr. In einer Flughöhe von 7000 Fuß (3.200 m) hat sich dort die geplante Geschwaderformation gebildet. Der Verband
steigt weiter auf 18.000 Fuß (5.900 m) und erreicht den nächsten Navigationspunkt (CP2) 9 Minuten früher als geplant. Zwei
Minuten zuvor öffnen sich die Klappen der Bombenschächte. Erneut steigt der Verband, nun auf eine Flughöhe von 25.000 Fuß
(8.200 m). Die Staffel überfliegt den letzten Navigationspunkt (IP) in dieser Höhe und befindet sich bereits rund 14 Minuten vor
der geplanten Zeit.
Seit dem Start sind etwa drei Stunden vergangen, es ist jetzt kurz nach 17 Uhr. Der Ziegenhain anfliegende Bomberverband
befindet sich ungefähr im Dreieck zwischen Kirtorf, Stadtallendorf und Homberg/Ohm. Die Piloten aktivieren hier ihre C-1-
Autopiloten, die Bombenschützen beginnen mit der optischen Zielaufnahme.
Das frühlingshafte Zwitschern der Vögel wird in Ziegenhain, Allendorf und Rörshain allmählich durch das Anschwellen der
hundertfachen Flugzeugmotoren und dem entfernten Heulen einiger Luftschutzsirenen überdeckt. Doch kein
Flugabwehrgeschütz der ringförmig um den Flugplatz angeordneten Stellungen eröffnet das Feuer. Der Bomberverband fliegt
ein Ziel an, das sich allem Anschein nach nicht verteidigen kann. Die maximale Schusshöhe der 2 cm-Flak-Geschütze von
3.700 m reicht bei weitem nicht an die hoch fliegenden feindlichen Bomber heran.
Um 17 Uhr 15 und 30 Sekunden löst Lieutenant Svendson  als einer der Bombenschützen der A-Staffel (100th BG) die
mitgeführte Bombenlast aus. Die Sprengkörper regnen aus einer Höhe von 24.550 Fuß zu Boden . Um 17:16 Uhr,  17:17 Uhr,
17 Uhr 18 und 30 Sekunden sowie um 17:20 Uhr und 17:21 Uhr werfen die Staffeln der 95th und 390th Bombardment Group
ihre Bomben ab. Um 17:44 Uhr treffen die Staffeln D der 95th BG und die Staffel A der 390th BG von ihrem Einsatz in
Buschhütten nahe Siegen ein und werfen hier ihre restlichen Bomben ab.
Während der Hauptteil des Bomberverbandes aus amerikanischer Sicht gute bis sehr gute Zielergebnisse erreicht, liefert die
Staffel B der 100th BG und die Staffel B der 390th BG schlechte bis katastrophale Arbeit ab. Vermutlich 3 Flugzeuge der 95th
BG lösen ihre Bomben zeitgleich  mit den Staffeln B und C der 390th BG aus. Die Bomben eines dieser Flugzeuge fallen auf
Rörshain, zwei weitere treffen den dahinter liegenden Wald und die Felder knapp 2 km entfernt. Insgesamt regnen 327,6 Tonnen
Bodenzielbomben (8th USAF) zzgl. 19,4 Tonnen der 2nd Air Division (6th USAF) auf den Einsatzflugplatz Ziegenhain, Rörshain
und Umgebung (Quelle: Tactical Report (Zeigenhain/Germany), Headquarters 13th Combat Wing (H), 24 March 1945 und Intops
Summary No. 328, Headquarters 8th Air Force, AAF Station 101, 24 March 1945).
Etwas zeitversetzt fallen 23,8 Tonnen Bodenzielbomben der 2nd Air Division auf den Güterbahnhof Treysa (Gleisanlage Treysa
Richtung Wiera). Einige Bomben schlagen auf dem Fußballplatz im Horschmühlenweg ein. Gleich darauf regnen aus einer der
Maschinen hunderte Flugblätter auf die Stadt. Auch im Bereich Ascherode fallen Bomben, die ggf. der dortigen Bahnlinie gelten
und von den aus Treysa abfliegenden Maschinen als Zufallsziel ausgewählt werden. Der Dorflehrer Karl Zinkhan vermerkt in der
Schulchronik: “Einige zu früh gelöschte Bomben fielen unterhalb des Dorfes in die Schwalmwiesen. Besonders viele
Bombentrichter erhielten die Grundstücke von Georg Kimmel und Heinrich Kehl.” (Quelle: Karl Zinkhan in Petra Bambey “900
Jahre Ascherode”, Seite 125, Hrsg.: Magistrat der Stadt Schwalmstadt, Plag Druck GmbH, Schwalmstadt 1990).
Bzgl. des benachbarten und ebenfalls betroffenen Einsatzflugplatzes Kirtorf berichtet Ulrich Dörr ergänzend aus seiner aktuellen
Nachforschungsarbeit:  Die 485th BG flog mit 27 Flugzeugen (B24 Liberator) den Angriff auf Kirtorf (eine Combatbox). 9 A/C's
(Flugzeuge) scherten aus dem Verband aus und flogen nach Rörshain. Die Piloten waren: 3nd Squadron Codename "Lincoln
Red 3" Allen,R., Craven, Everett, Herdti, Moran, Pelton, Schuch, Johnsen. C., Montgomery. Alle gehörten der 752BS an, sie war
angegliedert an die 485th BG. Eine Combatbox hat 3 Squadrone (Geschwader):
458th Bombardmentgroup - 96th Wing
 
Lead Squadron--------------Codename” Lincoln Red 1”--------Kirtorf   
9A/C, 2nd Squadron-----------------------”Lincoln Red 2”-------Kirtorf   
9A/C, 3nd Squadron-----------------------”Lincoln Red 3”-------Rörshain 9 A/C           (“A/C” = Aircraft [Flugzeug])
Kirtorf => Anflug  Rörshain:  9 Martin B-26 Marauder der 100th BG sowie Anflug Treysa 11 Marauder (386th BG).
Luftangriff Kirtorf: 458th BG, 467th BG, 386th Middel BG. Insgesamt 27 B24 (18,9) und 65 Marauder (386th BG)
(Quelle: Ulrich Dörr, Autor der Internetseite “Der Feldflugplatz Kirtorf” )
            
     Video: Beispiel eines allierten Luftangriffs 1945                                                                   Karte anklicken!
Rörshain, 24. März 1945, 17:16 Uhr
Maria Rindt (54 Jahre) hat sich an diesem Nachmittag in die Nähe des Friedhofs begeben, um dort auf einem Stück Land zu
säen. Das beinahe makellose Frühlingswetter lässt zunächst nichts böses ahnen. Während ihrer Arbeit bemerkt sie das
langsam anschwellende Donnern der Flugzeugmotoren. Als sie erkennt, dass aus den Maschinen Bomben herabregnen, lässt
sie ihr Arbeitsgerät fallen und flieht. Ihr Weg führt sie über das Friedhofsgelände. In extrem schneller Abfolge kommen die
Einschläge näher.
Die Luft ist angefüllt mit ohrenbetäubenden Explosionslärm. Die Splitter und Druckwellen zerreissen alles, was ihnen im Weg
steht. Der Friedhof erhält mehrere Volltreffer. Als eine der  Bomben in unmittelbaren Nähe von Maria Rindt einschlägt, wird sie
von einer gewaltigen Erdmasse begraben. Vermutlich ist sie sofort tot. Nach dem Angriff vermisst man sie lange Zeit, ihre Eltern
Hans Heinrich und Anna Katharina Schäfer (Rörshain) ahnen bereits, dass ihre Tochter nicht mehr lebt. Erst am 12. Juni 1945
scharrt ein Hund an der Stelle, an der sie verschüttet liegt. Ihr Leichnam wird geborgen.
Bilder (v.l.n.r): Splittergraben, Bombentrichter und Reste einer befestigten Stellung im Wald
In einem Graben am Ortsrand zwischen Rörshain und dem Einsatzflugplatz sind die gerade in der Nähe befindlichen Menschen
ist Deckung gegangen. Auch hier verschüttet ein Naheinschlag mehrere Schutzsuchende. Einige können sich befreien, Agatha
Elisabeth Lohrang geb. Dilschneider aus Merchingen/Saarland (54 Jahre, wohnhaft: Haus 25, Rörshain) erstickt unter der Erde.
Standesamtliche Eintragung der Todesursache: “Tod durch Verschüttung infolge Feindeinwirkung”.
Die Häuser des Dorfes Rörshain schwanken und beben unter den Druckwellen. Fensterscheiben bersten auch in den
umliegenden Dörfern Allendorf und Michelsberg. In Rörshain fliegen zerborstene Dachziegeln wie Schrapnelle durch die Luft,
Häuser werden förmlich angehoben und Mauern sacken in sich zusammen. Eine Bombe trifft einen Fachwerkhof und
beschädigt die kleine Kirche, beide werden dabei teilweise bzw. vollständig zerstört, weitere Gebäude im Dorf werden in
Mitleidenschaft gezogen. In ihrer Wohnung (Haus 3) wird Ingeborg Wagner geb. Effert (37 Jahre) aus Kassel getötet. Im selben
Haus stirbt Anna Elisabeth Völker (47 Jahre). Die standesamtlichen Eintragungen der Todesursachen lauten: “Tod durch
Bombenvolltreffer bei Fliegerangriff”. Insgesamt sterben im Dorf sechs Menschen. Ein französischer Fremdarbeiter nutzt das
Chaos des Luftangriffs und flieht.
Eine Zeitzeugin berichtet: “Ich war damals hochschwanger. Wir waren nachmittags im Garten, es war ein herrlicher
Frühlingstag. Das Näherkommen der Motoren war zu hören. Stimmen riefen plötzlich herüber ‘macht Euch in den Keller!’ Ich
habe alles stehen und liegen gelassen, wir sind sofort losgerannt. Dabei bemerkte ich, dass nicht nur Bomben fielen, sondern
auch mit Maschinengewehren von oben geschossen wurde. Es war fürchterlich. Nach dem Angriff lagen auf den Wiesen
zerrissene Rinderkadaver. Man hat sie in die Bombentrichter geworfen und zugeschaufelt. Das war eine schreckliche Zeit.”
Alliierte Luftaufnahmen zeigen später, dass im engeren Ortsbereich von Rörshain 13 Bomben eingeschlagen sind. Davon erhielt
das Friedhofsgelände 5 direkte Treffer. Zwei Höfe in der Straße “Am Hofacker” wurden durch jeweils eine Bombe getroffen, die
gleichzeitig auch die Kirche schwer beschädigten. Im Bereich zwischen “Flachsröste” und “Hinterbergsweg” und rechts der
“Kellerwaldstraße” (Blickrichtung Ortsausgang Wolfhainsiedlung) schlugen jeweils 3 Bomben ein. In den direkt an das Dorf
angrenzenden Bereichen (süd-westlich und nord-östlich) konzentrierte sich zudem eine große Anzahl von weiteren Einschlägen.
Die Auswertung der Bombentreffer zeigt darüber hinaus, dass Allendorf/Landsburg nur knapp dem gleichen Schicksal wie
Rörshain entgangen ist. Die langgezogene, parallel zum Dorf verlaufende Spur der Einschläge reicht auf etwa 150 Meter an
Allendorf heran (getroffen wurde u.a. das heutige Grundstück des dem Ort am nächsten gelegenen Aussiedlerhofes im
Lacheweg) und zieht sich in nord-nord-östlicher Richtung auf Michelsberg zu, endet jedoch deutlich vor der dortigen Ortslage.
Der Bombenabwurf verfehlt sein Ziel um etwa 700 Meter nach links, was selbst unter Gefechtsbedingungen als eher
stümperhafte Leistung betrachtet werden darf. Über die Verursacher schweigt sich der taktische Einsatzbericht aus - der Grund
lässt sich erahnen. Dem bzw. den betroffenen Bombenschützen dürfte bei der Beobachtung der Einschläge in jedem Fall
klargewesen sein, dass sie in Allendorf beinahe viele unschuldige Zivilisten getötet hätten.
Über die Situation auf dem Feldflugplatz während des Angriffs ist bisher nichts genaues bekannt. Es darf angenommen werden,
dass die Soldaten Deckung in den Munitions- und Schutzbunkern im Wolfshain (süd-westlich) gesucht haben. Angaben über
Opfer liegen nicht vor, jedoch erhielten die zahlreichen Mannschaftsbaracken im Wald hinter der Wolfhainsiedlung und die
Kommandanturgebäude keine Bombentreffer.  Die meisten Flak-Stellungen haben den Angriff unbeschadet überstanden,
insbesondere bei den Stellungen westlich und nördlich des Platzes schlugen Bomben jedoch in unmittelbarer Nähe ein. 
Die Ju 87 “Stukas” der Nachtschlachtgruppe 2 standen nach Angaben einer Zeitzeugin getarnt im Wald nordöstlich des
Flugplatzes. Auch hier gibt es heute noch sichtbare Splittergräben, allerdings auch Bombentrichter und Naheinschläge.
Nachdem der Platz durch die Bombardierung unbrauchbar wurde, sollen diese Flugzeuge an oder auf der Landstraße nach
Michelsberg gestartet sein - möglicherweise, um dem abfliegenden Bomberverband nachzusetzen.
        Das Panoramabild zeigt den Trichter eines Bombeneinschlags, in etwa 5 Meter Entfernung von einem Splittergraben (ganz rechts)
Der Rückflug
Laut Tagebucheintrag eines an dem Angriff teilnehmenden Besatzungsmitgliedes verliert die Formation angeblich drei
Flugzeuge durch Flakbeschuss, möglicherweise in der besser gesicherten Gegend des Rheins (Quelle: Diary Pilot 2nd Lt.
Merlin N. Larsen, Mission 11, March 24 1945). Unter Umständen verwechselt er jedoch den genannten Verlust mit dem
Einsatzabbruch von drei Maschinen wegen technischen Defekten zu Beginn der Mission.
Auf Funkanweisung der britischen Anflugkontrolle werfen Teile des Verbands wegen technischer Probleme schließlich 28 Stück
500 Pfund-Bomben in den englischen Kanal, da eine Landung damit zu gefährlich erscheint. Zwei Flugzeuge der 390th BG
bringen ihre gesamte Fracht bestehend aus 150 Pfund-Bomben zurück nach England (insgesamt 76 Bomben). Der Verband
überquert die englische Küste bei Southwold. Gegen 20 Uhr treffen die Flugzeuge auf ihren Stützpunkten ein. Den Besatzungen
steht in England eine ruhige Nacht bevor. Ähnlich den Bomberbesatzungen des verheerenden Bombenangriffs auf Dresden
wähnen sie sich in der Gewissheit, auf der Seite des Guten und Gerechten zu stehen. In Rörshain herrscht zur gleichen Zeit
tiefes Entsetzen.
Bilder (v.l.n.r.:) amerikanische B-17 und B-24 Bomber (© gemeinfrei)
Das Ende des Einsatzflugplatzes
Von der Bombardierung dürfte sich der Einsatzflughafen Ziegenhain bis Ende des Krieges bzw. dem Eintreffen der
amerikanischen Bodentruppen nicht mehr erholt haben. Nur eine knappe Woche später, am Karfreitag, den 30. März 1945
nahm die 6. Panzerdivision der US-Armee das Gebiet der Schwalm ohne nennenswerten Widerstand ein. Auch das STALAG
IXa in Trutzhain wurde befreit. Umso sinnloser erscheint der Tod unschuldiger Zivilisten in Rörshain wenige Tage zuvor.
Die Gebäude und Bunker sollen zunächst noch von den Amerikanern genutzt worden sein und wurden schließlich nach
Kriegsende von der US-Armee gesprengt. Zuvor hatten sich die Menschen der Umgebung rechtzeitig mit Bekleidung und
Material aus dem dort befindlichen Fundus eingedeckt. So wanderte beispielsweise ein Flugzeugzusatztank aus Aluminium in
einen landwirtschaftlichen Betrieb nach Leimsfeld, wo er in Hälften aufgeschnitten als Trog diente. In den ersten
Nachkriegsjahren sollen zwei zerstörte BF109 auf dem ehemaligen Flugplatzgelände gelegen haben.
Anwohnerinnen berichten in einem Gespräch am 26.3.2016, dass es bis in die 1950er Jahre gelegentlich bei der
Gartenbearbeitung zu spontanen Rauchentwicklungen kam. Anzunehmen ist eine unbeabsichtigte Freilegung von Phosphor,
der Bestandteil der abgeworfenen Bomben und Zünder gewesen sein könnte. Dieser chemische Stoff neigt bei
Sauerstoffkontakt zur Selbstentzündung, bei Berührung mit der Haut kann dies schwerste Verbrennungen zur Folge haben.
Zudem soll es im Garten eines Hauses in der Wolfshain-Siedlung in den 1960er Jahren zur Explosion eines Blindgängers
gekommen sein, die Anwohner sind nur mit viel Glück von schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen verschont geblieben.  
Von dem eigentlichen Flugfeld ist heute nichts mehr wesentliches zu erkennen, das an einen Einsatzflugplatz erinnert. Felder
und Wiesen bestimmen das Bild, Kühe grasen friedlich auf den Gräbern ihrer Ahnen. Die heute noch vorhandenen und sehr
auffälligen Bunkeranlagen sind Relikte des Kalten Krieges, als in Rörshain nukleare Gefechtsköpfe, u.a. des in Schwalmstadt-
Treysa stationierten Feld-Artillerie-Bataillons 21 gelagert wurden. Öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr das Gelände durch
wiederkehrende, politisch motivierte Protestaktionen und Glücksritter auf der Suche nach dem verschwundenen
Bernsteinzimmer.
Zwar steht das ehemalige Haus des Flugplatzkommandanten noch, dies wird allerdings seit Jahrzehnten zivil genutzt. Einzig die
umliegenden Wälder sind gespickt mit zahlreichen Bombenkratern und einigen, wenigen Splittergräben. Die heute noch auffällig
sichtbaren zahlreichen Detonations- und (deutlich kleineren) Aufschlagtrichter lassen es fraglich erscheinen, ob diese Stellen
bisher vollständig von einem Kampfmittelbeseitigungsdienst abgearbeitet werden konnten, daher ist rund um den ehemaligen
Flugplatz nach wie vor von einer latenten Blindgängergefahr auszugehen.
Obwohl Generationen von Metall-Sondengängern ihr Glück illegalerweise in den oben genannten Bereichen bereits versucht
haben, wird von einer Nachahmung dringend abgeraten. Blindgänger - insbesondere mit chemisch-mechanischen
Langzeitzündern - werden mit fortschreitendem Alter zunehmend gefährlich, es kann ohne äußere Einwirkung zur Explosion
kommen. Das wirksamste Mittel gegen den Verlust des eigenen Lebens durch Weltkriegsaltlasten besteht darin, solchen
bekannten Gebieten fernzubleiben.
 
Die Rörshainer Kirche wurde am 24. März 1945 zerstört. Drei Jahre später begann ihr Wiederaufbau
     Auf dem alten Einsatzflugplatz Ziegenhain grasen heute friedlich Kühe. Nichts erinnert  mehr an dieser Stelle an seine frühere Geschichte 
Anmerkungen:
Die hier gemachten Angaben wurden sorgfältig recherchiert und aus dem Englischen übersetzt, eine Garantie für die Richtigkeit
kann jedoch nicht übernommen werden. Angesichts der vielen Hinweise, die im Verlauf der Entstehung dieser Internetseite von
verschiedenen Seiten gegeben wurden, darf die bisherige Darstellung der Geschichte des Einsatzflugplatzes Ziegenhain nicht
als abschließend betrachtet werden. Ganz besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang Herrn Horst Jeckel für die
Zurverfügungstellung diverser zeitgeschichtlicher Dokumente, die in die Fortschreibung dieser Seite eingeflossen sind.
Stand: 16. Mai 2016
Bildnachweis:Bundesarchiv, Bild 101I-429-0646-31 / Billhardt / CC-BY-SA 3.0  (Bildausschnitt)
*der Flugplatz Rörshain wird in allen taktischen Einsatzberichten der US AIR FORCE immer mit
dem Namen “Airfield Ziegenhain” bezeichnet. Der Ortsname Rörshain kommt nicht vor.
24. März 1945: das Wetter ist gut an diesem Frühlingstag in den letzten Wochen des Krieges. Die wenigen Wolken am
Himmel lassen den Sonnenschein beinahe ungehindert auf das vor kurzem aus dem Winterschlaf erwachte Land fallen:
“Bombenwetter”, wie man sagt oder “CAVU” (Ceiling And Visibility Unrestricted), was für Bomberpiloten “uneingeschränkte
Wolken- und Sichtverhältnisse” bedeutet.
In den dem Flugplatz nahe liegenden Dörfern (Rörshain, Michelsberg und Allendorf/Landsburg) geht das Leben seinen
gewohnten Lauf. Die männliche Bevölkerung ist durch Kriegsverluste stark ausgedünnt, daher übernehmen Frauen, Kinder
und Zwangsarbeiter die landwirtschaftlichen Arbeiten. Die Gerüchte über die bevorstehende Niederlage Deutschlands
machen hinter vorgehaltener Hand die Runde, aber niemand, der an seinem Leben hängt, wagt laut darüber zu sprechen.
Noch tönen aus der Goebbels-Schnauze Durchhalteparolen und eine um die andere untergehende Stadt wird zur
“Festung” erklärt.
Und doch lässt sich das Vorrücken der Alliierten im Westen und der sowjetischen Truppen im Osten nicht verheimlichen.
Flüchtlingsströme kommen aus allen Richtungen in das Reich, selbst die Deutsche Lufthoheit ist längst verloren
gegangen. In den Tagen des März 1945 gibt es nur noch schwache Gegenwehr: Flugzeuge der Reichsluftverteidigung
bleiben am Boden, weil Sprit-, Material-, Personalmangel und Einsatzverluste keine nennenswerten Handlungsoptionen
mehr bieten. Selbst das Flak-Abwehrfeuer ist in vielen Gegenden völlig zum Erliegen gekommen. Demgegenüber steigt
der Angriffsdruck durch die Alliierten von Tag zu Tag.
Der Luftkampf mit den anrückenden Bomberverbänden gleicht aus Deutscher Sicht dem Kampf zwischen David und
Goliath. Während im Volkssturm Kinder und Alte verheizt werden, setzt man im Luftkampf zunehmend auf junge,
unerfahrene Piloten, die ihre Flugausbildung im Schnellverfahren erhalten. Schließlich reicht es, wenn sie ein Flugzeug in
die Luft bringen und an die feindlichen Verbände in Schussweite herankommen - eine sichere Rückkehr ist dagegen
weniger wichtig.
Der Einsatzflugplatz Ziegenhain (Skizze) und der benachbarte Flugplatz Kirtorf wird von verschiedenen Einheiten genutzt,
deren Aufgabe zunächst in der Abwehr vorrückender amerikanischer Bodentruppen und in Luftangriffen auf alliierte
Flugplätze in Frankreich, Belgien und Holland besteht. So liegt beispielsweise im August 1944 der Stab, sowie die 5., 6., 7.
und 8. Staffel des Jagdgeschwaders 3 “Udet” , verschiedene Staffeln des Jagdgeschwaders 4, sowie vom 8. Oktober bis
23. November 1944 das Jagdgeschwader 7 “Nowotny” mit seinen Messerschmidt BF109 auf dem Platz.
Der Flugplatz Rörshain* (Einsatzflugplatz Ziegenhain) 
Der Einsatzflughafen Ziegenhain im August 1944. Im Hintergund ist Rörshain zu sehen.
Bild: Horst Jaekel, Flugzeugführer 3. Staffel Jagdgeschwader 4
 
Bilder Flugplatz Rörshain und Flugzeugbesatzungen: Horst Jaekel, Flugzeugführer 3. Staffel Jagdgeschwader 4. Quelle: Horst Jeckel “Fliegerblatt 5/2014”,
Hrsg.: Gemeinschaft der Flieger deutscher Streitkräfte e.V., 50374 Erftstadt  (mit freundlicher Genehmigung des Autors) Bild rechts: Flugplatzpersonal in
einer Mannschaftsbaracke auf der Stube, Ziegenhain Januar 1940
Hinweis: alle Bilder dieser Seite lassen sich durch anklicken vergrößern!
Flak-Batterie an 2 cm-Geschütz © Haran/Wikipedia
(CC BY-SA 3.0) (keine Dateiänderungen)
Der Einsatzflugplatz Ziegenhain vor dem Luftangriff
Quelle: Militärarchiv US AIRFORCE
© OpenStreetMap-Mitwirkende  (CC BY-SA)   Lizenz
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