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Juchheisa, nach Amerika! 
Friedrich II. Hessen-Cassel Bild © gemeinfrei
Bild links: Blick auf den Paradeplatz Ziegenhain. Im Hintergrund das Landgrafenschloss mit der Schlosskirche (links). Hier wurden Hessische
Truppen für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ausgebildet. Bild rechts: Grundriss der Festung in ursprünglichem Zustand
Die Geschichte der Schwalm und der hier lebenden Menschen ist eng verbunden mit einem früheren, weltpolitischen Ereignis:
dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die Ursache und der Verlauf des Aufstands der 13 britischen Kolonien gegen das
englische Königshaus sei hier nur kurz umrissen, da er an anderer Stelle bereits ausführlich beschrieben ist:
Seit dem Ende des Siebenjährigen Krieges – in dessen Rahmen auch die Festung Ziegenhain mehrfach belagert wurde –
nahmen die Spannungen zwischen der englischen Krone und ihren nordamerikanischen Kolonien stetig zu.
Hintergrund waren unter anderem die wirtschaftlichen Differenzen, als auch der Umstand, dass Großbritannien mit dem Ende
des britisch-französischen Krieges 1763 die territoriale Vorherrschaft in Nordamerika erlangte.
Die daraus entstandenen Kriegskosten hatten zu einer erheblichen Schuldenlast geführt, zu dessen Tilgung das britische
Parlament nun seine amerikanischen Kolonien heranzuziehen gedachte. Gestalt nahm diese Absicht u.a. in der Erlassung
neuer Handels- und Zollgesetze an, die derart zum Vorteil und Gewinn Großbritanniens ausgestaltet wurden, dass sie den
aufstrebenden Kolonien förmlich „die Luft” abdrückte.
Darüber hinaus griff Großbritannien überaus stringent in die Verwaltung der Kolonien ein, womit deren bis dahin verbriefte
Autonomie weitestgehend ausgehebelt wurde. Doch diese Vorgänge wollten die Kolonisten keineswegs auf sich sitzen lassen.
Als Zeichen des Protests und der Auflehnung  vernichteten als „Indianer“ verkleidete Mitglieder des Geheimbundes „Sons of
Liberty“ am 16. Dezember 1773   im Bostoner Hafen eine Schiffsladung Tee, die nach britischem Recht hätte verzollt werden
müssen. Dieses Ereignis – heute noch als „Boston Tea Party“ bekannt - leitete die offene Rebellion gegen Großbritannien ein.
Als im Mai 1775 der amerikanische Kontinentalkongress in
Philadelphia zusammentrat, wurde die Gründung einer
eigenständigen Kontinentalarmee ausgerufen, die sich im
Wesentlichen aus den freiwilligen Milizverbänden der
Kolonien rekrutierte. Zum Oberbefehlshaber wurde George
Washington, dem späteren ersten Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika, ernannt.
Bereits im weiteren Verlauf des Jahres 1775 kam es zu
offenen Kriegshandlungen, am 4. Juli 1776 erklärten sich
die dreizehn Kolonien sodann für unabhängig von der
britischen Krone. König George III.  von England war jedoch
keineswegs bereit, diesen Umstand zu akzeptieren.
„Unglücklicherweise“ verfügte er zu diesem Zeitpunkt nicht
über ausreichend militärische Truppen, um den Aufstand
eigenständig niederzuschlagen (Quelle: Hildebrandt,
Was lag also näher, als für diese Aufgabe Truppen fremder Heere anzumieten? Die bezahlte Überlassung von ausländischen
Truppenkontingenten für eigene militärische Zwecke war zunächst weitgehend gängige Praxis im 18. Jahrhundert. Dabei
konnte es durchaus vorkommen, dass „Teutsche“ und sogar hessische Soldaten unterschiedlicher Fürstenhäuser in
Kriegshandlungen gegeneinander antreten mussten, weil sie an jeweils verfeindete Kriegsparteien „vermietet“ wurden. 
Die Verbindung zwischen dem englischen Königshaus nach Hessen war damals wie heute kürzer, als man zunächst vermuten
mag, handelte es sich doch bei Landgraf Friedrich II. von Hessen-Cassel um den Schwager des britischen Königs. Nebenbei,
“Prinz Philip Duke of Edinburgh” (der heutige Gemahl der englischen Queen Elisabeth II.) ist ein Nachfahre des Hessischen
Hochadels.
Hessen schien bereits damals eine gewisse Stellung als Transitland genossen zu haben,
was eine gewisse militärische Wehrhaftigkeit erforderlich machte. Denn wer das Land 
durchquerte war nicht grundsätzlich friedlich gesonnen. Die Vorhaltung einer
angemessenen Streitkraft schien also durchaus notwendig.
Wer also hat, gibt gerne – wenn auch nur gegen klingende, bare Münze. So schloss
Friedrich II. von Hessen am 15. Januar 1776 mit seinem Schwager George III. von
Großbritannien einen Subsidienvertrag bzgl. der Überlassung von etwa 12.000 Soldaten.
Bei einem „Subsidienvertrag“ handelt es sich frei übersetzt um einen Vertrag zur
Überlassung von Hilfstruppen (lat. subsidium, Plural subsidia „Hilfsmittel“).
 
Dennoch bediente sich König George III. nicht alleine in Hessen-Cassel. Auch das
Herzogtum Nassau, die Fürstentümer Hessen-Hanau, Waldeck, Ansbach-Bayreuth,
Anhalt-Zerbst und Braunschweig-Wolfenbüttel steuerten ihren Anteil bei, so dass das
Kontingent auf insgesamt rund 30.000 Soldaten zum Preis von etwa 8 Millionen Pfund
Sterling anstieg. Verwundungen, Todesfälle, etc. wurden extra bezahlt (Quelle).
Doch woher so viele möglichst junge, gesunde und wehrfähige Männer nehmen? Hierzu existieren allerlei Darstellungen, man
habe potentielle Rekruten unter Zuhilfenahme verschiedener Listen und großer Versprechungen für den Dienst in den
Kolonien angeworben. Der spätere Dichter Johann Gottfried Seume berichtete sogar, er sei auf Wanderschaft in Ziegenhain
aufgegriffen und gegen seinen Willen zum Soldat gemacht worden. Sein Weg führte ihn von Ziegenhain nach Halifax/Canada,
ohne jedoch an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein.
Diese Erzählungen mögen grundsätzlich durchaus Substanz haben, besonders vor dem
Hintergrund, dass mit Fortschreiten des Unabhängigkeitskrieg auch ein personeller Nachschub
erforderlich wurde. Aufzeichnungen und Dokumente aus dem 18. Jahrhundert sprechen aber
auch noch eine andere Sprache.
So ist bei einem Blick in frühere Kirchenbücher auffällig, dass häufig die Zweit- und
Drittgeborenen ihren Hof verlassen haben, um das Glück in Amerika zu suchen. Diese jungen
Männer hatten oft keine  Chance, den elterlichen Bauernhof übereignet zu bekommen, da
dieser grundsätzlich dem Erstgeborenen zufiel. Zudem war das bäuerliche Leben durchaus
von harter Arbeit, Entbehrungen und teilweise bitterer Armut geprägt.
Die Aussichten auf ein regelmäßiges Einkommen, auf ein Stück Land und möglicherweise eine adrette, junge Frau in den
englischen Kolonien mögen ihren Beitrag zum letzten Entschluss  geleistet haben, sich als Soldat des Landgrafen
einzuschreiben. Die Wahrscheinlichkeit, bei Kampfhandlungen getötet zu werden war jedenfalls verhältnismäßig gering, wie
die Auswertung heute bekannter Zahlen beweist.
Nichtsdestotrotz kehrten einige dieser Männer in die Heimat zurück, wie beispielsweise ein Eintrag im Kirchenbuch von
Neuenstein-Saasen (Knüll) im Landeskirchlichen Archiv Kassel verrät. Dass sich deren Linien direkter Nachfahren in einzelnen
Fällen sowohl in Amerika als auch in Hessen fortgesetzt haben, mag man schmunzelnd zur Kenntnis nehmen. Mit ein wenig
Phantasie lässt sich beinahe der Grund für die Rückkehr in die Heimat erahnen.
Fortsetzung Seite 2: Schwälmer in Amerika
Aus der Schwalm in die neue Welt
Hessische und Ansbacher Jäger (rechts) im freien Gefecht
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