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So nah und doch so fern: die Schwalm in Hessen und im deutsch-niederländischen
Grenzgebiet
 
Die meisten von uns haben es bereits in der Schule gelernt: die Schwalm
entspringt am Fuße des größten erloschenen Vulkans in Europa, dem
Vogelsberg. Über ihren wahren Quellort streiten sich die ortshistorisch
interessierten Gelehrten, allgemein gilt jedoch die Feldgemarkung
Ködding/Gemeinde Feldatal im Vogelbergkreis als die Stelle, an der sie das
Licht der Welt erblickt.
Auf dem Weg zur ihrer Mündung in die Eder (zwischen Altenburg und
Rhünda/Schwalm-Eder-Kreis) legt sie eine Strecke von 97,1 km zurück, mit
einen Höhenunterschied von 391m zwischen Quelle und Mündung. Bei der
Schwalm handelt es sich um viel mehr, als nur um einen Fluss. Sie gibt der
von ihr durchflossenen „Schwalm“ als oberhessisches, regionales und
traditionsreiches Gebiet, ihren Namen.
Die Region Schwalm wiederum umfasst eine althergebrachte kulturelle und
bäuerliche Tradition, die heute noch die Grundlage und Identität für viele
Menschen bildet, die hier geboren sind. Sie drückt sich besonders in der Art
des sich von Dorf zu Dorf etwas unterscheidenden schwälmer Dialekts und
der weitgehend einheitlichen schwälmer Tracht aus.
 
Ja, und es mag hochnäsig klingen, aber in der Literatur des 19. Jahrhunderts, die  
  
sich beispielsweise mit der Geschichte des Kurfürstentums Hessen (1803 - 1866)
befasst, schielen einige zeitgenössische Autoren mit leidlich neidischem Auge auf „den Schwälmer“, seine
Trachten, Gebräuche und seinen bäuerlichen Reichtum, der in weiten Teilen auf der Beschaffenheit des
fruchtbaren Bodens der Schwalmniederung fußt. Der literarische Beweis zu den hier getroffenen Aussagen wird
gerne noch an anderer Stelle angetreten.
Die Schwalm als solches ist ein Fluss, der streckenweise sehr unter den Maßnahmen von Flussbegradigungen
und anderen menschlichen Geißelungen des zurückliegenden 20. Jahrhunderts gelitten hat. Doch es geschieht ein
Umdenken: beim Loshausener Wehr oder zwischen Ziegenhain und Treysa kann man heute beobachten, wie der
Flussverlauf in ein ursprüngliches Bild zurückgeführt wird und sich geschützte Tiere und Pflanzen wieder
ansiedeln.
Damit wären wir eigentlich am Ende einer kurzen Beschreibung der Schwalm angekommen. Allerdings fällt bei
einem aufmerksamen Landkartenstudium Deutschlands  auf, hoppla - da gibt es ja noch eine Schwalm!. Dieser,
denselben Namen tragende Fluss hat allerdings mit unserer Heimat so rein gar nichts zu tun. Er hat seine Quelle
nämlich im nordrhein-westfälischen Erkelenz-Gneiken, ist 45,3 km
lang und fließt auf niederländischem Gebiet bei Roermond/Provinz
Limburg, in die Maas. Dort heißt er allerdings dann nicht mehr
„Schwalm“, sondern kurzerhand „Swalm“.
Die dortige Schwalm ist nicht ganz so breit, wie der Fluss unserer
Heimat. Er fließt streckenweise sehr idyllisch durch ursprüngliche
Auen- und Wiesenlandschaften, hatte aber in der Vergangenheit
ebenso unter menschlichen „Kunstgriffen“ zu leiden, die jetzt
schrittweise zurückgebaut werden.
Auf deutscher Seite durchstreift sie den Naturpark Maas-Schwalm-
Nette. Aufgrund der schon beinahe ebenen Landschaft ist die
Gegend ideal zum Fahrradfahren, und auch historisch interessierte
Besucher finden auf beiden Seiten der Grenze viele interessante
Orte und Geschichten, die – je nach Interesse - vom Frühmittelalter
bis zum 2. Weltkrieg und darüber hinaus reichen.
Zwei Flüsse, ein Name
Natürlich stellt sich die Frage, warum beide Flüsse den selben Namen tragen. Schaut man in der Geschichte
zurück, liegt eine häufige Ursache darin, dass Menschen ihre Heimat verließen und den neuen Ort ihres Siedelns
kurzerhand nach dem Alten benannt haben.
Auf Städte bezogene Beispiele dafür sind Hamburg, Kiel, Flensburg, Berlin, Hanover, etc. - alle in den USA. Dieser
Grund kann aber bei beiden Schwalm-Flüssen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen
werden. Erhellung bringt dagegen eher der Ursprung des Namens Schwalm. Er entstammt dem althochdeutschen
„Sualme“ und soll in etwa Nebelwasser oder nebelige Flussniederung heißen.
Althochdeutsch ist die älteste überlieferte deutsche Sprachform und wurde in den
Jahren zwischen 750 und 1050 verwendet. In diese Zeit fällt auch die erste
urkundliche Erwähnung des niederländischen Ortes Swalmen,
damals unter dem Namen „Sualmo“, was sicherlich eine ähnliche Bedeutung wie
„Sualme“ hatte . Aus diesen beiden eng verwandten Begriffen dürften sich also in
beiden Fällen der Name „Schwalm“ oder auch „Swalm“ entwickelt haben, der in
seinem Ursprung dasselbe beschreibt: nämlich einen nebligen Fluss.
Wen die deutsch-niederländische Schwalm interessiert, für den ist sie in jedem Fall
eine Reise wert. Neben der „kleinen Schwalm“, an der man sich als Schwälmer ein
kleines bisschen zuhause fühlt, hält der
Naturpark Maas-Schwalm-Nette und die Region Roermond/NL viele
landschaftlich sehr schöne Stellen bereit. Fahrradfahren, Angeln,
Bootfahren, das Beobachten von zahlreichen Wasservögeln oder
ausgedehnte Spaziergänge an den Ufern von Schwalm und Maas lassen
vom stressigen Alltag schnell zu Ruhe kommen.
Das grenznahe Roermond an sich ist bekannt für riesige Outlet-Stores,
und natürlich sind auch die obligatorischen Coffie-Shops vertreten, vor
deren Ladentüren insgesamt eher weniger Fahrzeuge mit
niederländischen Kennzeichen stehen – wer's braucht, eben... Ruhiger ist
die Altstadt mit vielen schönen historischen Gebäuden, die sich übrigens
auch in Swalmen, etwa 2km nord-östlich von Roermond, finden lassen.
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SCHWALMGESCHICHTEN
Die Schwalm (Swalm), kurz vor
ihrer Einmündung in die Maas
Kasteel Ouborg, eine Burgruine vom Anfang des
14. Jahrhunderts, bei Swalmen/NL direkt am Ufer
der Schwalm gelegen
Der Marktplatz von Swalmen/NL
Ein Paradies für Angler, Bootsfahrer und Naturbeobachter: hier mündet die Schwalm in die Maas